George Widener

*1962

  • Time Machine, 2010, Mischtechnik auf Papier, 184 x 139 cm
  • I was born, 2012, Mischtechnik auf Papier, 217 x 147 cm
  • Birthday map (Weekends), 2012, Mischtechnik auf Papier, 135 x 171,5 cm
  • Robot Puzzle, 2011, Mischtechnik auf Papier, 152,5 x 121 cm
  • Megalopolis Flipper 21, 2004, Mischtechnik auf Papier, 48 x 61,5 cm
  • Titanic, 2011, Mischtechnik, 182 x 14 x 36 cm
  • Ohne Titel (cipher maps), 2013, Mischtechnik auf Papier, 65 x 75 cm
  • Ohne Titel (cipher maps), 2013, Mischtechnik auf Papier, 153 x 144 cm

George Widener wurde 1962 in Covington, Kentucky geboren. Er lebt und arbeitet in dem kleinen Bergdorf Waynesville in North Carolina. Schon in jungen Jahren entwickelte er eine große Leidenschaft für mathematische Berechnungen, Statistiken, Daten und Kalender. So machte er es sich zum Beispiel als Kind zur Gewohnheit, jede Zahl, die er sah, in ein Kalenderdatum zu übersetzen. Erst Jahre später fand man bei einer medizinischen Untersuchung heraus, dass George Widener ein Savant, ein Mensch mit außergewöhnlicher Begabung für Zahlen und Kalender, ist und unter dem Asperger-Syndrom leidet.

Seine Faszination für Zahlen, von der auch eine Kalendersammlung, diverse Listen und Zeichnungen zeugen, beginnt er später bewusst in künstlerische Arbeit zu übersetzen, die komplexe Kalender und Palindrome, historische Landschaften und fernöstliche Schriftrollen umfasst. Seit 2000 liegt der Schwerpunkt vor allem auf großformatigen, hochkomplexen Zeichnungen, in denen er unterschiedliche Aspekte aus der Kartografie, Mathematik und Numerologie mit einfließen lässt.

Detaillierte architektonische Strukturen, Datenlisten, Statistiken und Berechnungen auf der Grundlage des magischen Dreiecks bilden ein Raster aus Zahlenkorrelationen, mit dem Ziel, zeitgeschichtliche Zusammenhänge und Entwicklungen wie auch die Kodierung von Zufallssystemen und der Willkür der Geschichte sichtbar zu machen. Für die Entwicklung von Diagrammen und Kodes verwendet er vorzugsweise Daten, die mit historischen Ereignissen und Persönlichkeiten oder seiner eigenen Lebensgeschichte in Verbindung stehen. Die neue Form der Sichtbarkeit von Ereignissen als komplexes Zahlen- und Buchstabensystem in den Werken George Wideners ermöglicht so eine Neuerfassung spezifischer historischer Phänomene.

Katastrophen üben eine große Anziehungskraft auf ihn aus. Widener listete beispielsweise die Daten und Zahlen aller Flugzeugabstürze, die an einem Sonntag stattfanden, auf. Die anschließenden Berechnungen ermöglichten es ihm scheinbar auch, die Daten zukünftiger Unglücke zu bestimmen.

Der Untergang der Titanic bildet den Gegenstand einer Reihe von Zeichnungen und Installationen Wideners. Die Titanic und ihr Untergang erscheinen in den Werken sowohl als Abbildung wie auch als Akkumulation jener Daten und Zahlen, die sich auf das historische Ereignis beziehen.Dabei dienen Zahlenreihen Widener weniger zur Darstellung intellektueller Reflexion, sie sind Teil seiner inneren Welt der Daten, das grundlegende System seiner Wahrnehmung.

Eine Hoffnung Wideners ist es, dass die von ihm entwickelten Kodes und Algorithmen, die für die Allgemeinheit der Menschen nicht mehr nachvollziehbar sind, superintelligenten Computern Unterhaltung bieten und vielleicht, so Widener, auch dazu beitragen, die Maschinen und Hochleistungsrechner der Zukunft „etwas freundlicher für die Menschen“ zu gestalten.