New York
8. – 11. März 2018

Das Atom ist Unbesiegbar
Adelhyd van Bender

24. Februar – 12. April 2018

  • ohne Titel, Ordner #51, Mischtechnik auf Fotokopie, 42 x 30 cm

Am 24. Februar 2018 eröffnet die Galerie Delmes & Zander neue Räume in der Lindenstraße 20-22 in Köln. Die Räume sind von historischer Bedeutung: In den späten sechziger Jahren wurde hier nach New Yorker Vorbild das erste deutsche Galerienhaus eröffnet.

Die Entscheidung für den Umzug stellt eine Weiterentwicklung der Galeriearbeit dar. Sie ergibt sich aus der Notwendigkeit Platz zu schaffen um Komplexität und Umfang der Werke sichtbarer zu machen. Das Studieren, Digitalisieren, Rekontextualisieren und Vermitteln der umfangreichen Nachlässe, die oft erst nach dem Tod des Künstlers entdeckt werden, bildet den Kern der Galeriearbeit von Delmes & Zander. Die neue Aufteilung der Galerieräume bietet dabei die Möglichkeit, Künstlernachlässe zugänglich zu machen für Sammler, Kuratoren und Besucher. Werkkomplexe wie Type 42, Margret - Chronik einer Affäre, Horst Ademeit oder Adelhyd van Bender, werden dauerhaft in zwei separaten Projekträumen ausgestellt und regen so zu neuem Dialog an. Parallel dazu werden in dem Ausstellungsraum der Galerie auch zukünftig wechselnde Ausstellungen gezeigt.

Das Archiv von Adelhyd van Bender wurde zum ersten Mal 2015 auf der Independent in New York gezeigt, kurz nach der Aufnahme des Nachlasses in das Galerieprogramm. Seitdem gewährt uns das Werk mit jeder neuen Ausstellung und Installation unerwartete Einblicke und neue Erkenntnisse. Seine Erfassung ist auch heute noch ein fortlaufender Prozess.

In »Das Atom ist Unbesiegbar« zeigt die Galerie eine Auswahl von Zeichnungen und legt in einem Projektraum zugleich die archivarische Systematik der Ordner dar, die dem lebenslänglichen Projekt von Adelhyd van Bender innewohnt.

Benders unermüdlicher Versuch, die Welt in mathematische Formeln zu zerlegen, positioniert sein Oeuvre an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Religion und Philosophie. Sein systematischer Ansatz in der Auseinandersetzung mit Wissen wird von einer unendlichen Assoziationskette begleitet, die in seiner künstlerischen Praxis biographische Daten mit geistiger und mechanischer Thematik vielschichtig verflechtet. Seine Arbeit sieht Bender als einen sisyphushaften Frondienst, eine immerwährende Aufgabe, zu der er sich berufen fühlt. Geprägt vom Glauben an die Methodologie der Wissenschaft und legitimiert auch durch die Schriften der Watch Tower Bible- und Tract Society in Die Suche der Menschheit nach Gott (1990) ist Benders Suche nach einem logischen und zusammenhängenden wissenschaftlichen Überbau im Wesentlichen ein Versuch, Gott zu erklären.

Adelhyd van Bender wird 1950 als Harald Friedrich Bender in Bruchsal (Baden-Württemberg) geboren. Mit 15 Jahren begibt er sich in die Industriestadt Ludwigshafen und lebt dort in einem Jugendheim. Drei Jahre später zieht er mit einer abgeschlossenen Lehre als Elektriker nach Berlin, wo er 1974 an der Abendschule seinen Realschulabschluss nachholt und schließlich an der HdK Berlin (Hochschule der Künste) zugelassen wird. 1976 wird er nach langem Verfahren zwangsexmatrikuliert. Überzeugt von seiner aristokratischen Herkunft reist Bender nach England und macht sich dort auf die Suche nach seinen Vorfahren. Er nennt sich fortan Adelhyd van Bender. 1977 kehrt Bender zurück nach Berlin und intensiviert seine künstlerische Tätigkeit: über ein Jahrzehnt lang zeichnet er, stellt bombenartige Objekte her, malt mit Teer, Ölfarben, Chemikalien und Lösungsmitteln auf Holz und Pappe. Ein Brand, der durch entflammbare Materialien in seiner Wohnung ausgelöst wird, zerstört 1987 einige seiner Arbeiten, doch der Umfang von Benders Oeuvre wächst stetig und 1999 wird ein großer Teil seines Werkes in die Sammlung Prinzhorn in Heidelberg verlagert, auch um zu verhindern, dass Benders Wohnung im 4. Stock unter dem Gewicht seiner Arbeiten einstürzt. Zu diesem Zeitpunkt hat sich Adelhyd van Bender bereits obsessiv einer Technik des wiederholenden Zeichnens, Fotokopierens und Überarbeitens seiner Papierblätter gewidmet. Adelhyd van Bender stirbt am 2. April 2014 in Berlin.