Adelhyd van Bender

1950 - 2014

  • Ordner #1, 1999 – 2014, beinhaltet ca. 200 Zeichnungen, Mischtechnik auf Papier in Plastikhüllen, je 30 x 21 cm oder 42 x 30 cm (gefalten), 32 x 29 x 8 cm
  • Ordner #4, 1999 – 2014, beinhaltet ca. 200 Zeichnungen, Mischtechnik auf Papier in Plastikhüllen, je 30 x 21 cm oder 42 x 30 cm (gefalten), 32 x 29 x 8 cm
  • Zeichnung aus Ordner #1, 1999 – 2014, Mischtechnik auf Papier 30 x 21 cm
  • Zeichnung aus Ordner #1, 1999 – 2014, Mischtechnik auf Papier 30 x 21 cm
  • Zeichnung aus Ordner #1, 1999 – 2014, Mischtechnik auf Papier 30 x 21 cm
  • Zeichnung aus Ordner #1, 1999 – 2014, Mischtechnik auf Papier 30 x 21 cm
  • Zeichnung aus Ordner #2, 1999 – 2014, Mischtechnik auf Papier 30 x 21 cm
  • Zeichnung aus Ordner #7, 1999 – 2014, Mischtechnik auf Papier 30 x 21 cm
  • Zeichnung aus Ordner #7, 1999 – 2014, Mischtechnik auf Papier 30 x 21 cm
  • Zeichnung aus Ordner #7, 1999 – 2014, Mischtechnik auf Papier 30 x 21 cm
  • ohne Titel, 1999-2014, Mischtechnik auf Papier, 42 x 30 cm
  • ohne Titel, 1999-2014, Mischtechnik auf Papier, 42 x 30 cm
  • ohne Titel, 1999-2014, Mischtechnik auf Papier, 42 x 30 cm
  • Dokumentarisches Bild aus dem Adelhyd van Bender Archiv, Berlin 2014. Photo: Joshua Hofmann.

Adelhyd van Bender wird am 16. Oktober 1950 in Bruchsal (Baden-Württemberg) geboren. Nach der Trennung der Eltern, verlässt Bender sein Elternhaus mit 15 Jahren und zieht nach Ludwigshafen. Dort wohnt er in einem Jugendheim und schließt eine dreijährige Elektrikerlehre ab. 1968 geht er nach Berlin und arbeitet dort zwei Jahre als Elektriker; danach ist er arbeitslos. 1974 macht er an einer Abendschule seinen Realschulabschluss. Im Oktober des gleichen Jahres wird er in die HdK Berlin (Hochschule der Künste) aufgenommen und studiert dort zwei Jahre. Nach langem Verfahren wird er 1976 zwangsexmatrikuliert. Als ihm auch seine Wohnung gekündigt wird, macht er sich nach England auf, überzeugt davon, dort seine aristokratischen Wurzeln zurückverfolgen und finden zu können. Ab dieser Zeit nennt er sich Adelhyd van Bender. 1977 kehrt er nach Berlin zurück, wo er seine künstlerische Tätigkeit intensiviert; diese besteht neben der Herstellung von bombenartigen Objekten überwiegend aus Bildern. Mit Teeren, Ölfarben, diversen chemischen Stoffen und Lösungsmittel bemalt er Holz und Pappen. 1987 zerstört ein Feuer in seiner Wohnung alle hochbrennbaren Materialien und einen Teil seiner Arbeiten. Als 1999 die Wohnung des Künstlers unter der Last seiner Arbeiten zusammenzubrechen droht, überlässt er der Sammlung Prinzhorn in Heidelberg einen Großteil seines Werkes. Nach diesem Ereignis wendet sich Adelhyd van Bender ganz dem Zeichnen, Überarbeiten und Fotokopieren zu, empfindet aber von nun an seine künstlerische Arbeit als eine ihm von einer höheren Autorität aufgezwungene Fronarbeit, die er ständig, Tag für Tag von morgens bis abends verrichten muss. Adelhyd van Bender stirbt am 2. April 2014 in Berlin.

Adelhyd van Bender zeichnete, schrieb, fotokopierte, retouchierte mit Besessenheit tausende und abertausende von Papierbögen mit geometrischen Formen und Farbfeldern, wobei er auf wissenschaftliche, mathematische und physikalische Grafiken und Formeln zurückgriff und Bogen für Bogen füllte. Die Essenz seiner Arbeit ist geprägt von der Vorstellung, dass er einen weiblichen Uterus in sich trage, in dem er ein „atomares Geheimnis“ verwahrt. Ein weiteres zentrales Thema ist die Form des Quadrates, die mit dem Symbol der Kaaba, dem schwarzen Kubus in Mekka, assoziert wird. Aber auch planetarische Konstellationen, Raketen und die damit verbundene Vorstellung, dass er Himmelfahrtsprüfungen bestehen muss um in den Himmel aufzusteigen, sind Kernkonzepte in Benders Universum. Seine technischen und wissenschaftlichen Symbole sind rätselhaft, faszinierend und rasend wie der technische Fortschritt selbst. Benders Werk verkörpert dies mit Gewissenhaftigkeit, mit Pseudosystematik und der unantastbaren Authorität der Wissenschaft. In seinem Archiv kann er das allumfassende Universum in Mappen verschlossen und das Chaos kontrollierbar halten.